Die Kirchenmusik in St. Lorenz im Jahr 2020

Die Kirchenmusik in St. Lorenz wird ganz selbstverständlich durch das Kirchenjahr geprägt. Darüber hinaus ist sie seit 2020 alljährlich mit einem frei gewählten Thema überschrieben. 2020 lautet es:

 

Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) verkehrte am Potsdamer Hof Friedrichs des Großen sowie in Hamburg in Kreisen französischer Philosophen und deutscher Dichter wie Voltaire, de La Mettrie, Lessing und Klopstock. Bereits zu Lebzeiten galt er als der Komponist, „der das Gedankengut der Aufklärung und des Sturm und Drang auf musikalischem Gebiet am nachdrücklichsten vertrat“ (Jochem Wolf, 2009). C.P.E. Bach war sich dessen bewusst, dass ihm seine adligen oder kirchlichen Dienstherren beim Komponieren „bisweilen lächerliche Vorschriften“ machten. Daher schätzte er die Freiheiten „bey den wenigen Stücken, welche ich bloß für mich selbst verfertigt habe.“ Das bei C.P.E. Bach vorbereitete neue Selbstverständnis des Künstlers als freie Existenz manifestiert sich schließlich in Ludwig van Beethoven (1770–1827), dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern.

Wesentlich für das Zeitalter der Aufklärung, mit deren Idealen Beethoven aufwuchs, ist die Emanzipation des vernunftbegabten Menschen. Diese Emanzipation spiegelt sich in unserer Lorenzer Thematik 2020: Schöpfer Gott Macht Mensch – vier Begriffe, deren Reihenfolge spielerisch geändert werden kann, sodass sich neue Bedeutungen und Assoziationen ergeben: Schöpfergott / Machtmensch / Verantwortung / Schöpfung & Bewahrung / „Prometheus“ (Goethe) & „Homo Deus“ (Y.N. Harari) / Zivilisation / Turmbau zu Babel / Künstliche Intelligenz …

Diesem Themenkomplex entspricht auch die musikalische Programmkonzeption 2020. Werke Ludwig van Beethovens setzen darin starke Akzente: Zur Aufführung kommen Beethovens Oratorium „Christus am Ölberge“ in Verbindung mit dem Streichquartett op. 95 (28.3.) sowie Beethovens Messe C-Dur mit zwei Kantaten C.P.E. Bachs (12.12.). Geplant ist zudem ein Konzert „in memoriam Ludwig van Beethoven“, bei dem das Mozart-Requiem Beethovens „Equale“ und der Klaviersonate „Les Adieux“ op. 81a zur Seite gestellt wird (21.11.). Einen weiteren Höhepunkt markiert das „Schöpfungs“-Wochenende: die Aufführung von Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ und die Vorführung des Experimentalfilms „Koyaanisqatsi“ (16./17.5.). Außerdem laden wir ein zum Happening „mechanische Aktion“ – unter anderem mit Ligetis „Poème Symphonique“ für 100 Metronome (17.7), zum Science-Fiction-Event „Hörspiel – Texte – Roboter“ (25.9.) und zur Vorführung des Dokumentarfilms „Berlin Babylon“ (11.9.). Ferner erklingen Orgelwerke für Musikautomaten von Mozart, Beethoven, Haydn und Stockhausen (in diversen Gottesdiensten) und vieles mehr…
Seien Sie neugierig!

Das Jahresprogramm 2020 können Sie hier ansehen und Sie finden es gedruckt in der Lorenzkirche.

Nutzen Sie die Möglichkeit, Eintrittskarten auch online zu kaufen (lorenzkirche.de/tickets), und machen Sie Gebrauch von St. Lorenz´ „eigenem“ U-Bahnhof (U1).

Willkommen in St. Lorenz!