Entstehungsgeschichte

Vermutlich ist die Pfarrei schon vor 1275 selbständig, ganz sicher aber ab 1315. Damals leben in Nürnberg etwa 10.000 bis 15.000 Bürger, denen eine Bürgerkirche auf der Lorenzer Seite der Stadt Nürnberg am Herzen liegt.

In den Jahren zwischen 1439 und 1477 entsteht der Hallenchor. Wenn man die Kirche vom eher dunklen Hauptportal her betritt, zieht der vom Licht erfüllte Hallenchor mit seinen wunderbaren Glasfenstern bis heute alle Besucherinnen und Besucher in seinen Bann. Ab 1522 wirkt Andreas Osiander als Prediger an St. Lorenz. 1524 wird die Reformation in Nürnberg eingeführt. Aber der Rat der Stadt entscheidet, dass die Kunstwerke in der Lorenzkirche nicht entfernt werden sollen. Deshalb finden sich bis heute noch viele vorreformatorische Kunstwerke in der Lorenzkirche wie z.B. der Engelsgruß von Veit Stoß und das Sakramentshaus von Adam Kraft.

In den Jahrhunderten danach gibt es nur kleinere und größere Teilschäden (z.B. durch einen Brand). Aber am Namenstag der Kirche, dem Laurentiustag (10. August) 1943, wird die Lorenzkirche das erste Mal von Bomben getroffen und erheblich zerstört. Eine weitere Bombe bringt am 2. Januar 1945 das gesamte Dach des Langhauses zum Einsturz. Einige Kunstwerke (wie z.B. der Engelsgruß) sind im Nürnberger Kunstbunker in Sicherheit gebracht oder aber eingemauert worden (wie z.B. das Sakramentshaus).

Nach dem 2. Weltkrieg wollen die Lorenzer Kirchengemeinde und Nürnberger Bürger die Lorenzkirche schon bald wieder aufbauen. Aber erst nach langen und mühevollen Arbeiten kann am Laurentiustag, dem 10. August 1952, der erste Gottesdienst in der wiederhergestellten Kirche stattfinden. Im Jahr 2002 wird – 50 Jahre danach – an diesen Wiederaufbau erinnert und ein großes Jubiläum gefeiert.

Der Bauplatz

Der Bauplatz der heutigen Lorenzkirche lag am Rande eines Hanges, der zur Pegnitz abfällt. Dort stand eine Kapelle, die St. Lorenz zum Hl. Grab geweiht war und der Pfarrei in Fürth unterstand. (Erste Erwähnung dieser Kapelle: 4. Juli 1235). Diese alte Kapelle wurde abgerissen. Da Baumaterial teuer war, wurden die alten Steine zum Teil wiederverwendet. Wir finden das alte Baumaterial noch im Dachbodenbereich, an der Apothekertüre und im nördlichen vorderen Seitenschiff.

Die Bauarbeiten

Der Bau von St. Lorenz wurde durch Spenden, Erbschaften und Ablassverkauf gesichert. Entsprechende Urkunden sind die ersten schriftlichen Quellen über die Lorenzkirche. Man geht davon aus, dass um 1300 in diesem Stadtteil 10.000 bis 15.000 Bürger, meist Handwerker wohnten. Der Plan sah vor, eine dreischiffige Kirche mit zwei Türmen und einem sehr hohen Mitteldach zu schaffen. Der Baubeginn wird auf 1250 datiert, 1370/80 kamen die Arbeiten an der Kirche zu einem ersten Abschluss. Die Türme wurden vermutlich gegen 1400 vollendet.

Durch Zuzug von angesehenen, finanzstarken Bürgern wurde der Ruf nach eigenen Familienkapellen lauter, die durch die Versetzung der Außenwand von etwa 1385 bis 1430 geschaffen werden konnten. Um diese Zeit erfolgt auch der Einbau der drei heute noch vorhandenen Emporen. Nachdem die Reichskleinodien seit 1424 in Nürnberg aufbewahrt wurden, kam es zu einem erheblichen Zustrom von Menschen in die Stadt.

Laurentius

In St. Sebald wurde seit langem der eigene Kirchenheilige Sebaldus verehrt (Heiligsprechung 1425), zu dessen Grab viele Menschen pilgerten. Die Lorenzer besannen sich auf die Gebeine des Hl. Deocarus, des Beichtvaters Karls des Großen aus dem Kloster Herrieden. Durch geschicktes Taktieren versuchte man den Heiligen dem Sebaldus gleichzustellen, wodurch auch in St. Lorenz die Zahl der Wallfahrer stieg. Damit hatte man das entscheidende Argument gefunden, um die Kirche durch einen Hallenchor zu erweitern. Die Grundsteinlegung erfolgte im Oktober 1439 beim Stützpfeiler n IV. In der verhältnismäßig kurzen Zeit von 38 Jahren wurde der Hallenchor vollendet. (Da der neue Chor um den alten herum gebaut wurde, fielen keine Gottesdienste aus!)

Als letzte große bauliche Veränderung ist der Aufgang zur Oberen Sakristei zu werten. Dieses Treppenhaus wurde 1519 eingebaut und diente dem bequemen Zugang zur „Schatzkammer“ der Kirche.