Lorenzer Orgeln

165 Register mit 12.156 Pfeifen (außerdem 5 Cymbelsterne mit insgesamt 27 kleinen Glocken und in der Laurentiusorgel ein Glockenspiel mit 39 Schalenglocken). Damit ist die Lorenzer Orgel die größte in einer evangelischen Kirche in Deutschland (die „katholische“ Passauer Domorgel gilt nach wie vor als die größte Kirchenorgel der Welt). Die größte Orgel der Welt steht in einem amerikanischen Kaufhaus („Macy’s“ in Philadelphia), auf der Weltrangliste der größten Orgeln steht die Lorenzer Orgel auf Platz 11.

Dispositionen

Geschichte

Die Lorenzkirche wurde vom letzten Viertel des 13. Jahrhunderts bis 1477 als Pfarrkirche für die Bevölkerung des Nürnberger Stadtteils südlich der Pegnitz erbaut.

Wie ihre ältere Schwesterkirche St. Sebald in der nördlichen Kernstadt bestimmt sie durch die anspruchsvollen Bauelemente von Doppelturmfassade und Hallenchor die Silhouette der Stadt wesentlich mit. Das Kaiserfenster im Ostchor und das Kaiserwappen an der Fassade zeugen vom Interesse der Kaiser an diesem Kirchenbau in der Reichsstadt Nürnberg; die Ausstattung der Kirche mit Altären, Engelsgruß, Sakramentshaus und Glasfenstern wurde weitgehend vom Nürnberger Patriziat gestiftet, während die reich verzierten Handwerkerstühle auf diese in Nürnberg bedeutende und hoch angesehene Bevölkerungsschicht verweisen. In der Pfarrkirche einer so selbstbewussten Bürgerschaft kam auch der Kirchenmusik ein entsprechender Rang zu.

In Nürnberg brachte man der Orgelmusik eine besondere Achtung entgegen. Das zeigt sich u.a. an der großen Zahl von Orgelneubauten und Reparaturen, die im Laufe der Jahrhunderte für sinnvoll und notwendig erachtet und finanziert wurden. Vielleicht am sinnfälligsten wird dieser hohe Anspruch am Erweiterungsbau der Lorenzer Langhausorgel, als nach Vollendung des Hallenchors im Jahre 1477 die beiden vorhandenen Orgeln den neuen, riesigen Kirchenraum klanglich nicht mehr zu füllen vermochten. Durch den Frankfurter Leonhard Mertz ließ der Rat der Stadt das bestehende Instrument zu einem der größten Orgelwerke der Epoche mit dann über 1600 Pfeifen ausbauen, das jedoch durch sein ungeheures Gewicht alsbald Bauschäden verursachte und schon 1498 abgebaut werden musste. Dessen ungeachtet kündete noch 1490 ein Lobgedicht des Meistersingers Rosenplüt von der Bedeutung der riesigen Orgel nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern für die ganze Stadt, indem er das Lorenzer Instrument mit der „Meng’ der Orgelröhren“ als 10. Kleinod der Stadt Nürnberg pries.

Seit 1476 ist in der Lorenzkirche das Vorhandensein zweier Orgeln nachweisbar, und schon im 16. Jahrhundert standen drei Orgeln in der Kirche. Das gleichzeitige Spiel an mehreren Orgeln ist bereits durch die Lorenzer Hochzeitsordnung vom 13. Oktober 1590 bezeugt. Diese großzügige Ausstattung ist zwar auch in der repräsentativen Stellung der Lorenzkirche im städtischen Leben begründet, sie ist aber vor allem eine Reaktion auf die akustisch schwierigen Bedingungen des riesigen Raums. Damals wie heute gilt es, den schallschluckenden Eigenschaften des hier verwendeten Nürnberger Sandsteins zu begegnen. Die jetzige, im Juni 2005 vollendete Lorenzer Orgeltrias basiert zum einen auf dieser vor 500 Jahren gefundenen mehrchörigen Lösung, zum anderen ist sie eine modifizierte Wiederherstellung des 1937 von Johannes G. Mehl mit der Orgelbauwerkstatt Steinmeyer entwickelten Raumklangkonzepts. Schon damals (1937) konnten dank der elektrischen Traktur drei räumlich weit voneinander aufgestellte Instrumente von einem Organisten simultan gespielt werden. Diese Orgelanlage hatte allerdings nur kurze Zeit Bestand; 1943 bzw. 1945 wurde sie großenteils zerstört. Im Jahr 2000 fiel nach langer Vorbereitungszeit endgültig der Beschluss zu einer veränderten Neuauflage des Raumklangkonzeptes. Die als denkmalwürdig eingestufte Hauptorgel auf der Westempore wurde zur Grundlage des Lorenzer Orgelprojekts. Sie wurde 2003 auf das Klangbild ihrer Erbauungszeit (1936/1937) zurückgeführt und – anderen Steinmeyer-Instrumenten der Zeit entsprechend – um ein Hochdruckwerk erweitert. Der Prospekt wurde so belassen, wie er 1951/1952 zugunsten der freien Sicht auf die Rosette verändert worden war. Bei der 2002 eingeweihten Stephanusorgel im Hallenchor fand ein Steinmeyer-Werk von 1862 aus Hersbruck mit einem neuen Prospekt Wiederverwendung, während das erweiterte Gehäuse der Laurentiusorgel 2005 ein neues Orgelwerk der Werkstatt Klais (Bonn) erhielt. Die Technik (Spieltische, Setzeranlage, Verkabelung) wurde auf den neuesten Stand gebracht. Heute können alle drei Orgeln sowohl einzeln als auch gemeinsam von einem oder mehreren Organisten gespielt werden. Ist von den mechanischen Spieltischen der Laurentius- und der Stephanusorgel aus ausschließlich das Spiel der entsprechenden Orgel möglich, so kann von den beiden synchronisierten Zentralspieltischen auf der Westempore bzw. im Kirchenschiff auf alle Orgeln zugegriffen werden. Die Planung und Umsetzung des Lorenzer Orgelprojekts dauerte von 1997 bis 2005. Dabei war die Gesamtmaßnahme in drei Bauabschnitte gegliedert. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch die Orgelbauwerkstatt Johannes Klais (Bonn) und durch die ortsansässige Orgelbauwerkstatt Benedikt Friedrich (Oberasbach). Sämtliche Kosten des Lorenzer Orgelprojekts (2,7 Millionen Euro) wurden durch Stiftungen und Spenden aufgebracht. 

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Die Orgeln im Einzelnen

Verwendung: Die Lorenzer Orgeln bieten vielfältigste Möglichkeiten zur Darstellung der Orgelmusik sämtlicher Epochen. Sie sind täglich zu hören, wobei ihr Einsatz mit dem jeweiligen Anlass korrespondiert:

Erklingt in den täglichen Kurzandachten ausschließlich die Laurentiusorgel, so werden die im Hallenchor gefeierte Gottesdienste in der Regel von der Stephanusorgel begleitet. Im sonntäglichen Hauptgottesdienst kommen alle drei Orgeln zum Einsatz, wobei gerade das abwechselnde Spiel auf Haupt- und Stephanusorgel ideale Möglichkeiten bietet, den responsorialen Teilen der gesungenen Liturgie auch räumlich zu entsprechen. Alle drei Orgeln werden sowohl gleichzeitig als auch abwechselnd in den Konzerten, bei den Motetten des Windsbacher Knabenchors, im „Orgelpunkt St. Lorenz“ und bei zahlreichen Orgelführungen gespielt. Konzerte mit drei gleichzeitig an drei Orgeln spielenden Organisten finden seit 2005 einmal pro Jahr statt. Hier kamen bisher Werke der alten Italiener (Venezianische Mehrchörigkeit) und Literatur von Augustinus Franz Kropfreiter oder Stefan Hippe (2007 Uraufführung von „ZwoSibenAchteVier“, Phantasie über den Nürnberger Werkschuh) zur Aufführung. Die Verständigung der Spieler erfolgt dabei über Headset bzw. zukünftig auch über Kameras und Monitore.

Stimmen aus dem Gästebuch: Seit der Fertigstellung der drei Instrumente haben die Lorenzer Orgeln viele Tausend Hörer begeistert. Außer durch die Lorenzer Organisten wurden sie seit 2005 auch von zahlreichen Gastorganisten im Rahmen der Kirchenmusik in St. Lorenz, im Rahmen der Internationalen Orgelwoche Nürnberg (ION) und auch in der Reihe „Junge Organisten“ (ein Forum für Meisterklassen-Studenten) gespielt.

„Es war wunderbar, auf diesen drei Orgeln zu spielen – alle mit unterschiedlichem Charakter ergänzen sie sich doch perfekt!“ (Thomas Trotter, Birmingham/London).

“Die Orgel ist nicht leicht zu spielen, aber ich hatte viel Spaß während des Konzerts” (Olivier Latry, Notre Dame Paris).

„Gratulation zur überwältigenden Orgelanlage!“ (Winfried Bönig, Dom zu Köln). 

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