Die Kirchenmusik in St. Lorenz im Jahr 2016

Es ist ein Kennzeichen der Kirchenmusik in St. Lorenz, dass sie sich am Kirchenjahr orientiert, dass sie darüber hinaus aber in jedem Jahr unter einem frei gewählten Thema steht. Dieses Thema wird dann in musikalisch vielfältigster Weise (von der Gregorianik bis zu Uraufführungen) betrachtet und gestaltet, wobei auch immer wieder andere Künste (Literatur, Film, bildende Kunst) einbezogen werden.

Im Jahr 2016 steht die Kirchenmusik in St. Lorenz Nürnberg unter der thematischen Überschrift NACHT & LICHT. Das Begriffspaar Licht und Finsternis ist wesentlich für das religiöse Denken. Im Christentum prägt es Zeiten des Kirchenjahres: so etwa den vierwöchigen Advent („Das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein großes Licht“), das Weihnachtsfest (Stern von Bethlehem) und die Feier der Osternacht, deren Liturgie die Verwandlung vom Grabesdunkel zum Licht besonders eindrücklich erfahrbar macht.

Licht steht am Anfang der Schöpfung. Mit ihm verbinden sich Begriffe wie Klarheit, Erkenntnis, Wärme, Hoffnung und Leben. Im Gegensatz dazu steht Finsternis für Orientierungslosigkeit, Unwissen, Angst und Tod. Die Nacht allerdings ist nicht allein finster und nicht immer bedrohlich: Dank ihrer Dunkelheit und Stille ist sie ebenso lebensnotwendige Zeit des Ruhens, des Schlafes und der Träume.

Die Bedeutung des Lichts spiegelt sich auch in der Ausrichtung christlicher Kirchen nach Osten („ex oriente lux“) und in ihrer Architektur wider. In den Sakralbauten der Gotik beeindrucken „(die) weiten Raumdimensionen, die feingegliederte, minimalistische Materialität des Steins […], der ungeheure farbige Lichtglanz der Fenster, welchem alles Steinerne in seinem filigran-strebenden Gefüge nur dienend beitritt, insbesondere das monumentale Sonnenradfenster, ein christlicher Reflex heidnischer Sonnenkulte: Das alles hat zum Hauptziel die Installation eines Licht-Raumes. Die Kathedrale ist Licht-Architektur.“ (Hartmut Böhme, „Das Licht als Medium der Kunst“, Berlin 1994).

In der Lorenzkirche – dem großen gotischen Licht-Raum in der Nürnberger Altstadt – steht die Kirchenmusik 2016 nun schon zum 15. Mal unter einem das ganze Jahr über spannendem Thema. Unter der Überschrift NACHT & LICHT interagiert die musikalische Dramaturgie mit der Architektursprache des Kirchenraums.

Zu hören sind ein Tenebrae (Dunkelheit) betiteltes Passionskonzert am 12. März (siehe Highlight im Terminkalender), die Aufführung von Mendelssohn Bartholdys Oratorium Paulus am 23. April (darin die Gotteserscheinung auf dem Weg nach Damaskus und Paulus’ vorübergehender Verlust des Augenlichts), Nachtkonzerte am 24. und 26. Juni, die Nürnberger Erstaufführung von Harald Weiss’ Requiem („Schwarz vor Augen… und es ward Licht“) und die Uraufführung der Sinfonie des Lichts von Martin Torp am 19. November, Stravinskys Psalmensinfonie, gerahmt von zwei Bachkantaten, am 10. Dezember und vieles andere mehr.

Das Jahresprogramm NACHT & LICHT liegt ab Anfang März vollständig auch in gedruckter Form vor. Karten für sämtliche Konzerte können frühzeitig sowohl bei Vorverkaufsstellen in ganz Deutschland als auch online (www.reservix.de ) gekauft werden.

Willkommen in St. Lorenz! 

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