Touristenseelsorge

Die Touristenseelsorge St. Lorenz versteht sich als ein Angebot im Zusammenklang verschiedener Möglichkeiten, die ein Gast in der Lorenzkirche wahrnehmen kann. Viele Menschen aus aller Welt, Gäste, Touristen, aber auch viele Nürnbergerinnen und Nürnberger suchen das  alte, gotische Gotteshaus im Herzen der Stadt auf, um dort dem Getriebe des Alltags für eine Zeit lang zu entrinnen.  Sie verweilen in dem hohen Innenraum und genießen allein schon die Höhe und Weite der Kirche. Mancher sucht sich „seinen“, manche „ihren“ Platz irgendwo im Langschiff oder in einer Seitenkapelle. Auch der lichte Hallenchor ist ein wunderbarer Ort, an dem die Hauptkunstwerke der Lorenzkirche, Engelsgruß (von Veit Stoß, 1517/18) und Sakramentshaus (von Adam Kraft, 1493/96) schon seit vielen Jahrhunderten die Blicke der Gäste nach oben ziehen.

Viele gehen gerne auch an die Kerzenwand im nördlichen Seitenschiff. Sie entzünden dort ein Licht und verbinden es mit einem stillen Gebet. Andere fühlen sich angezogen durch die Ruhe und das dämmrige Licht in der Nordturmkapelle, sozusagen der Basis des Nordturmes. Dort gibt es – im Gegensatz zum gesamten, reich ausgestatteten Innenraum der Kirche – nur ein einziges Kunstwerk zu sehen, das Fragmentenkreuz (1420/26). Ursprünglich einmal auf dem Dachboden verschüttet, wurde es durch die sachkundige Arbeit der Restauratoren 1998 wieder „ausgegraben“ und in seiner fragmentarischen Gestalt wiederhergestellt. Es handelt sich eigentlich nur um ein Holzbrett, dessen Rückseite Christus, den Gekreuzigten zeigt. Zu sehen sind die Umrisse seines Kopfes, sein Körper, die Beine und Füße. Die ausgebreiteten Arme und genaueren Gesichtszüge fehlen. Für viele Menschen ist vielleicht gerade das Fragmentarische dieses Kunstwerks ein Trost. Auch im eigenen Leben gibt es manche Bruchstücke. Manches findet nicht leicht wieder zusammen. Anderes ist überhaupt nicht mehr zu ersetzen.

So entstehen im Verweilen und Schauen immer auch Anknüpfungspunkte zwischen den alten Kultgegenständen früherer Generationen wie eben Kreuzen, Kerzenleuchtern, Stein- und Holzskulpturen, Epitaphien, Altären oder Glasfenstern und dem eigenen, heutigen Leben. Diese gegenseitig ins Gespräch zu bringen und fruchtbar zu machen ist Aufgabe der Touristenseelsorge.

Ohne die Hilfe von vielen engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitenden wäre diese Arbeit nicht zu leisten. Etwa 40 aktive Kirchenführerinnen und Kirchenführer, 15 Turmführerinnen und Turmführer und 15 Mitarbeitende im Präsenzdienst der Kirche ermöglichen mit regelmäßigen Führungsangeboten oder auch ihrer einfachen Gegenwart in der Kirche Gespräche, sowohl zu Fragen mit kunsthistorischem Hintergrund, als auch zu Fragen, die sich ausgelöst durch eine Führung oder durch das Betrachten eines Kunstwerkes ergeben haben. Diese können das Leben, den Glauben oder die Schwierigkeiten mit dem Glauben betreffen.
Nutzen Sie für sich, was Ihnen entgegenkommt und in Ihren Zeitplan passt – eine Führung, das Gesprächsangebot mit einem Menschen, der zum Gespräch bereit ist. Oder eben den Raum, der sich in seiner Gesamtheit erst zeigt, wenn man ihn länger wahrnimmt. Denn dann wird klar, wie er erfüllt ist von Licht, Luft und Liebe – auch der Liebe vieler Künstlerinnen und Künstler, die zur Ehre Gottes gebaut und gestaltet haben.

Herzlich willkommen in Nürnberg, St. Lorenz!

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